Corona - eine Kolumne von Pastor Sorge

Eigentlich habe ich keine Lust etwas zu Corona zu schreiben, denn seit Monaten wird tagtäglich darüber berichtet!“, so sagte ich am Telefon zu Verena Mai, Redakteurin der Salzgitter Zeitung, als ich ihr ankündigte, dass ich in meinem derzeitigen Urlaub Zeit hätte, mal wieder eine Kolumne zu schreiben. Seit gestern denke ich anders! Die 4. Welle ist da – und je nachdem welche Regeln dann in den einzelnen Bundesländern gelten werden – könnte uns vielleicht wieder ein weiteres trauriges Weihnachten mit eingeschränkten Kontakten vor der Tür stehen. [Mehr]

 

Ich erinnere mich noch gut an das vergangene Fest, als ich in den Tagen davor ca. 250 ältere Gemeindemitglieder in Salzgitter anrief, um ihnen Gelegenheit zu geben, ihre Befürchtungen und Ängste anzusprechen, wenn sie den Heiligen Abend und die Feiertage allein verbringen müssten. Die Inzidenzzahlen, die inzwischen nicht mehr einziges Kriterium der Pandemie sind, steigen. Am 9.11.2021 waren es in Salzgitter 6920 + 27 mit 85 Todesfällen. Die Intensivbetten in den Krankenhäusern füllen sich mit Ungeimpften in manchen Gegenden bis an die Kapazitätsgrenzen. Auch die überarbeiteten Intensivmediziner und Pfleger*innen, die immer weniger werden, kommen durch die seit Monaten bestehende Belastung an ihre Grenzen und machen ihrem Unmut freien Lauf: „Die meisten müssten hier nicht liegen, wenn sie sich hätten impfen lassen!“ Nicht nur von Politikern kann man immer wieder hören: „Ich habe Verständnis für die 12 Millionen Menschen in Deutschland, die sich impfen lassen könnten, aber es nicht wollen und kann ihre Argumente gut nachvollziehen!“ Ich nicht! Denn eine Impfung gegen einen ständig mutierenden Virus ist in einer Pandemie keine Privatsache, weiß auch der Impfethikrat. In einer weltweiten Videobotschaft rief bereits am 18.8.2021 Papst Franziskus, der selbst seit Anfang des Jahres vollständig durchgeimpft ist, zur Impfung gegen das Covid 19 Virus auf als Akt der Liebe, „für sich, für seine Familie und Freunde, sowie für alle Völker“. Es sei eine einfache, aber tiefgreifende Weise, sich für das Gemeinwohl einzusetzen, für sich und andere zu sorgen, vor allem für die besonders Verletzlichen. „Wenn eine Impfung etwas mit Nächstenliebe zu tun hat und immer noch zu viele, die sich impfen lassen könnten, dazu nicht bereit sind“, höre ich jemanden in der Kirche flüstern, „dann müsste Gott vom Himmel her mal ein dickes Donnerwetter schicken, damit Menschen endlich einsichtig werden!“ „Ich denke, dass dies bereits mehrfach spätestens seit Beginn der 4. Welle geschehen ist!“, sage ich laut und deutlich - nicht nur hinter dicken Kirchenmauern. „Aber vielleicht reicht dieses Donnerwetter auch noch nicht!“