Ein Jahr in Bolivien - Clara Lengsfeld berichtet!

Clara Lengsfeld aus St. Gabriel war Freiwilligendienstleistende in Bolivien und berichtet hier von ihrem spannenden Aufenthalt:

Guten Morgen, liebe Gemeinde, und Buenos días. So wurde und habe ich das vergangene Jahr begrüßt. Ich bin Clara Lengsfeld aus Salzgitter- Gebhardshagen und war über einen internationalen Freiwilligendienst durch das Bistum Hildesheim in Bolivien. Klischeehaft denken Sie jetzt vielleicht an Armut, Lamas, bunte Kleidung, Kinderarbeit, Musik, Regenwald und Reis.

Doch es ist so viel mehr als das. 

Und ich durfte das vielseitige, einzigartige und schöne Bolivien 1 Jahr lang entdecken und erleben.

Bolivien, das ist ein Land in mitten Südamerikas mit rund 11 Millionen Einwohnern. Trotzdem ist es 3 Mal so groß wie Deutschland. Bolivianer sprechen spanisch und vereinzelt indigene Sprachen wie Quechua, Aimara oder Guaraní. Genug zu den Fakten! Wie bin ich eigentlich dort hingekommen?

Zwischen dem Bistum Hildesheim und Bolivien besteht eine 32- jährige Partnerschaft. Auf beiden Seiten stehen Kommissionen, die sich für die Partnerschaft engagieren. Der Austausch von Freiwilligen nach Deutschland und Bolivien ist ein Teil davon. Das Bistum wird dabei durch das sogenannte weltwärts- Programm vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziell unterstützt.

Nach vielen Vorbereitungen ging es dann für mich und vier weitere Freiwillige aus dem Bistum Hildesheim im August des vergangenen Jahres los nach Bolivien. Den ersten Monat verbrachte ich in Santa Cruz, der größten Stadt Boliviens. Dort wohnte ich in einer Gastfamilie und konnte in einem Sprachkurs anfangen Spanisch zu lernen. Mein Jahr habe ich dann in der 45-minütig entfernten Kleinstadt Cotoca verbracht.

Dort habe ich mit 3 Ordensschwestern in einem Haus auf dem Schulgelände gelebt. Die Schwestern kümmern sich um die Schule und die Schüler, als Direktorin, Religionslehrerin und Sekretärin.

Die Schule Barbara Micarelli del niño Jesús wurde aus einer Idee heraus mit Unterstützung der Gemeinde in Thiede und viel Engagement der Ordensschwestern aus Cotoca aufgebaut. Nachdem die Gemeindereferentin von Thiede nach Garbsen, Hannover wechselte, besteht nun eine Partnerschaft zwischen Thiede, Garbsen und Cotoca.

In der Schule konnte ich die Lehrerin bei den 3-5-jährigen Kindern unterstützen und mit der Zeit sind meine Spanischkenntnisse gewachsen. Es klingt verrückt, aber ich habe mich jeden Morgen auf die Arbeit gefreut. Auf alle Kinder und auch die MitarbeiterInnen. Wir haben den Kindern spielerisch das Alphabet, die Zahlen, Formen und vieles mehr beigebracht. Ich habe gemerkt, dass Kommunikation auch ohne viele und richtige Wörter auskommt. Was ein Lächeln doch manchmal bewirken kann.

Ich konnte lehren und gleichzeitig lernen. Mit den Kindern umzugehen, zu spielen, faxen zu machen und bei Unverständnis immer wieder meine Kultur und Werte reflektieren.

Bolivien besteht aus vielen sogenannten Departamentos. In Deutschland vergleichbar mit Bundesländern. Während meiner Ferien und an Wochenenden hatte ich die Möglichkeit das Land zu bereisen und weitere Orte kennenzulernen. Imposant war die Salzwüste Uyunis mit der kilometerweiten weißen Landschaft. Die Hauptstadt Boliviens ist die Stadt in Weiß, Sucre, die aufgrund ihrer vielen weißen Häuser und Bauwerke so genannt wird. Der Regierungssitz allerdings befindet sich in La Paz. Um dort den stressigen und überfüllten Straßen zu entgehen, wurden bislang 10 verschiedene Seilbahnen in die Stadt gebaut.

Damit lässt es sich bequem, günstig und viel schneller ans Ziel kommen. Ein besonderes Ereignis war der Karneval in Bolivien. Es wurde viel getanzt und Musik gespielt. In unseren letzten Ferien im Juli waren wir Freiwilligen zusammen im Regenwald. Dort haben wir eine mehrtägige Tour mit Übernachtungen im Regenwald gemacht, wo ich auch meinen ersten Fisch selbst gefangen habe.

Das Stadtbild Cotocas prägen nicht nur Schüler mit verschiedenen Schuluniformen, sondern auch Schüler mit Instrumenten und grünen T-Shirts. Im orquesta municipal de Cotoca darf jeder der möchte kostenlos Violine, Cello oder Viola lernen und spielen, oder im Chor mitsingen. Ich durfte ein Jahr lang Teil dieses großartigen Chores und Orchesters sein. Während der Proben habe ich so viele verschiedene Lieder lernen können und Freundschaften geknüpft. Orchester Cotocas heißt Familie und genau so habe ich mich aufgenommen und willkommen gefühlt. Der Abschied fiel mir umso schwerer.

Weltkirche- diesen Begriff haben sie bestimmt schonmal gehört. Ich auch, aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich vor 1 Jahr keine Ahnung was das genau heißen soll. In Bolivien habe ich es erlebt. Cotoca ist für Christen ein ganz besonderer Ort, da dort die Maria erschienen ist. Jedes Jahr in der Nacht auf den 08. Dezember pilgern unzählige Menschen aus der Millionenstadt Santa Cruz zu Fuß nach Cotoca, um die Jungfrau Maria zu feiern. Die Straßen sind gefüllt von Menschen und viele suchen sich nach der Wanderung einen Platz zum Schlafen auf der plaza (dem zentralen Platz). Es herrscht eine Stimmung ähnlich wie auf einem Jahrmarkt. Überall wird Essen und Getränke verkauft und Händler verkaufen Rosenkränze oder kandierte Früchte. In dieser Nacht schläft die Stadt nicht. Alle 2 Stunden wird auf einer draußen aufgebauten Bühne Gottesdienst gefeiert. Die Messdiener luden mich ein und ich durfte tatsächlich als Messdienerin in den Gottesdiensten helfen.

Weltkirche – egal, ob auf Deutsch, spanisch, als Bolivianer/Bolivianerin oder Deutscher/Deutsche. Wir sind eine Kirche. Mit all unseren Unterschieden und Gemeinsamkeiten.

Freiwilligendienst heißt für mich sich einlassen auf Neues, aus Vorurteilen Erlebnisse zu machen, erzählen und lernen zu können. Freiwillige aus Bolivien werden nicht finanziell durch den Bund unterstützt. Damit aber auch junge Menschen aus Bolivien die Chance bekommen lernen und erzählen zu können, indem sie ein Jahr lang nach Deutschland für einen Freiwilligendienst kommen, sammelt das Bistum Hildesheim Spenden. Mithilfe dieser Spenden können die anfallenden Kosten gedeckt werden.

Wenn Sie Lust haben die Freiwilligendienste zu unterstützen würde ich mich sehr freuen, wenn Sie dies mit einer Spende direkt an das Bistum Hildesheim machen:

Bischöfliches Generalvikariat

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE77 2512 0510 0001 4040 00

Verwendungszweck: Internationaler Freiwilligendienst Clara Lengsfeld

Nach diesem kleinen Einblick meiner Erlebnisse hoffe ich Ihnen die Vielseitigkeit dieses weit entfernten Landes ein wenig näher gebracht zu haben. Mir ist es wichtig noch zu sagen, dass man nicht generalisieren kann, was ich erzählt habe. Denn Bolivien ist halt nicht nur gläubig, arm und lebensfroh. Es ist so viel mehr!

Und wie es in einem traditionellen Lied aus Santa Cruz heißt: Viva Santa Cruz, Viva Bolivia! Es lebe Santa Cruz, es lebe Bolivien!

Clara Lengsfeld

Es lebe Santa Cruz, es lebe Bolivien!

 

 

5 Fotos (c) Clara Lengsfeld

 

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