Beleuchtet!

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Auf dieser Seite finden Sie Erläuterungen und Hintergrundinformationen zu jeweils
aktuellen Anlässen und Feiertagen des Kirchenjahrs

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Erzengelfest - 29. September

Die Erzengel – eine Einführung nicht nur für Kinder

Wenn ich dich frage, wie du dir einen Engel vorstellst, fallen dir vielleicht die goldenen Engelsfiguren vom Weihnachtsbaum oder von den weihnachtlich geschmückten Schaufenstern ein, vielleicht sogar die pausbäckigen Engelsgestalten, die wie niedliche Babys aussehen. Nein, glaub mir, Dekorationsfiguren sind die Engel wirklich nicht. Engel, das meint etwas ganz anderes, etwas, das mit Worten eigentlich gar nicht zu beschreiben ist. Engel meint: Bote Gottes, Gott teilt etwas mit. Da merken wir schon: Engel sind ein Geheimnis für uns Menschen, solange wir leben. In der Bibel finden wir Geschichten, die uns davon erzählen, wie Menschen Erfahrungen mit Engeln gemacht haben. Dort begegnen die Engel den Menschen zu Hause und unterwegs, bei ihrer Arbeit und im Traum. Engel haben ihre Botschaft. Die Menschen fühlen dann neuen Mut und großen Trost, oder aber sie erschrecken sich auch. Sie spüren das große Geheimnis, die Nähe Gottes. Die Menschen haben einigen Engeln Namen gegeben, um ihr Geheimnis ein wenig zu verstehen.

So bedeutet zum Beispiel:

  • Michael – Wer ist wie Gott?
  • Rafael – Gott heilt
  • Gabriel – Gott ist stark

Hermine König aus: Engelstöne. Von himmlischen Boten und heimlichen Freunden. Begleitheft zur CD, Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, 2005.

 

Aus "Das Kirchenjahr":

Der Erzengel Michael ist der Schutzpatron der Deutschen. Das geht auf eine Synode im Jahr 813 zurück, auf der Ludwig der Fromme, Sohn Karls des Großen, den Michaelstag anstelle eines Festes des germanischen Gottes Wotan festlegen ließ. Die Verehrung dieses Engels ist in Italien schon seit dem 5. Jahrhundert nachzuweisen.

In Süditalien geht eine Kirche auf dem Berge Gargano auf eine Erscheinung des Erzengels im Jahr 492 zurück. Am 29. September 493 wurde in Rom die Michaelskirche an der Via Salaria eingeweiht. Michael ist starker Beschützer, er geleitet die Toten in den Himmel, daher sind viele Friedhofskapellen dem hl. Michael geweiht.

Als der Geisterglaube im frühen Mittelalter die Ängste der Menschen bestimmte, wurde Michael als Schutzmacht verehrt, der die Gemeinde Gottes gegen die vom Westen, vom Abend her andrängenden Mächte verteidigt. Deshalb wird Michael in den großen Westwerken der wie Burgen gebauten Kirchen lokalisiert.

Die Vorstellung vom deutschen Michel entsteht erst im 17. Jahrhundert. Zuerst ist es der „schreckliche deutsche Michel“, für den der Reiteroberst Michael von Ortraut das Bild abgibt. Im 18. Jahrhundert steht der deutsche Michel für „Bauer“ oder „Schlafmütze“, ein Gutmütiger, Verträumter, eine unpolitische Karikatur, die die politische Situation des in über 300 Staaten zerfallenen Deutschen Reiches spiegelt.

Der Michaelistag ist mit Erntebrauchtum am Ende des Sommers verbunden. Michael, Gabriel, Rafael haben jeweils die Silbe „El“ in ihrem Namen, sie bedeutet „Gott“, hergeleitet vom hebräischen Elohim, neben Jahwe einer der Gottesnamen. Michael (= Wer ist wie Gott?) stürzt den Widersacher Gottes in den Abgrund.

Die Flügel des Engels sind Zeichen dafür, dass ihm der Bereich der Luft, der als Wirkungsbereich des Satans gilt, zugänglich ist. Auf seine himmlische Herkunft verweist das Blau. Die Farbe Gold steht für den göttlichen Ursprung des Engels. Der Name des Erzengels Gabriel wird wie der des heiligen Michael auch im Buch Daniel erwähnt (8,16; 9,21), wo er dem Propheten die Bedeutung von Visionen erschließt und ihm Botschaften von Gott überbringt.

Im Neuen Testament kündet Gabriel die Geburt Johannes des Täufers (Lukas 1,11–20) und die Geburt Jesu an (Lukas 1,26–38). Im Islam ist Gabriel Vermittler göttlicher Offenbarungen an Mohammed. Sein Name heißt übersetzt „Kraft Gottes“. Der Erzengel Rafael (= Gott heilt) wird im Buch Tobit erwähnt.

Er ist Begleiter des Tobias und heilt diesen von seiner Erblindung. Rafael wird daher neben den „Drei Königen“ zum Patron der Reisenden und gibt dem kirchlichen Rafaels-Werk seinen Namen, das die Auswanderer betreut.

Quelle: Bieger, Eckhard: Das Kirchenjahr. Die Feste. Bedeutung, Entstehung, Brauchtum; Leipzig 2013.

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