Beleuchtet!

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Copyright: Dr. Paulus Decker  in Pfarrbriefservice

Auf dieser Seite finden Sie Hintergrundinformationen
und Erläuterungen zu jeweils aktuellen Anlässen und
Feiertagen des Kirchenjahrs

Bild: Martin Manigatterer in Pfarrbriefservice
Bild: Johannes Simon in: Pfarrbriefservice.de

Stichwort: Erntedank

Die Milch kommt aus der Flasche, eine Vielzahl von Gemüsen aus der Dose, Fisch und Fleisch aus der Tiefkühltruhe. Die Bitte um das tägliche Brot hat angesichts der hoch entwickelten Nahrungsmittelindustrie in den Ländern des Westens keine existentielle Bedeutung mehr. Industrie und Chemie produzieren in unserer Landwirtschaft immer höhere Erträge. Butterberge und Überproduktion von Obst und Gemüse haben jeden Gedanken an Not und Sorge um eine gute Ernte verdrängt. Das Wort „Hunger“ ist offenbar exotisch geworden.

Und doch dankt die Kirche am Erntedankfest Gott für die Gaben der Schöpfung. Schließlich gilt unverändert die alte Volksweisheit: „An Gottes Segen ist alles gelegen“. Selbst in einer Zeit industrieller Produktionsweisen in der Landwirtschaft ist es für die Menschen in den reichen Ländern der Welt sinnvoll, zum Abschluss der Ernte dafür Dank zu sagen, dass ausreichend Nahrung für alle da ist. Daran will der Erntedank-Sonntag erinnern. Der Gedanke der Bewahrung der Schöpfung ist in den letzten Jahren als neues Element hinzugekommen.

In vielen Gemeinden werden Erträge aus der Ernte - Gemüse, Obst, Getreide, Weintrauben - als Zeichen des Dankes an den Schöpfer vor den Altar gelegt. Mancherorts ist es guter Brauch, diese Lebensmittel nach dem Gottesdienst an Bedürftige in der Pfarrei zu verschenken. Das Erntedankfest meint mehr als den vordergründigen Dank dafür, dass es uns gut geht.

Pressestelle des Bistums Aachen/Pfarrbriefservice

 

Über die Symbolik des Dankaltars

Zum Erntedankfest werden in vielen Kirchen Dank-Altäre gestaltet: Erntegaben aus Garten und Feld werden zusammengetragen und um den Tisch gelegt, an dem die Christen miteinander und mit Gott das eucharistische Mahl feiern. Mit der Gestaltung des Altars bringen die Gläubigen zum Ausdruck, dass sie, neben der eigenen Arbeit, vor allem dem Schöpfer der Welt die Grundlage ihres Lebens verdanken. Sich an den Gaben zu erfreuen, dafür zu danken und sie schließlich miteinander zu teilen, darin zeigt sich: der Mensch ist gebunden an die Natur, an Gott und an die Menschen, mit denen er sein Leben auf dieser Erde teilt.

Quelle: Pfarrbriefservice

 

 

"Warum soll ich für die Äpfel, die ich gekauft habe, danken?" 

„Warum soll ich für die Ernte danken? Wir haben die Früchte und den ganzen Kram doch bezahlt!“ Die Achtjährige starrt eigensinnig auf ihren kleinen mit Früchten gefüllten Korb. Am Vortag hat sie Möhren, Äpfel und Birnen zusammen mit der Mama auf dem Wochenmarkt gekauft. Und nun soll sie, und das dann sogar noch in der Kirche, dafür Dank sagen?

Das punktgenaue Abrechnen von Leistung und Bezahlung, von Produkt und Bilanz entspricht unserer heutigen ökonomisch orientierten Gesellschaft. Ich habe bezahlt, also habe ich einen Anspruch auf die Ware. Ein Vertrag zwischen zwei Parteien, von denen beide profitieren und bei dem keiner dem anderen etwas schuldig bleibt.

Aber dann laufen Berichte über Hurrikans über den Bildschirm, und die Klimaveränderungen führen auch hier in Deutschland zu Überschwemmungen und Verwüstungen. Und plötzlich wird bewusst: Der Mensch ist, trotz allen Könnens und allem Wissen, den Naturgewalten ausgeliefert. Das Leben lässt sich nicht vollständig durchkalkulieren und berechnen.

„Macht euch die Erde untertan“, so fordert Gott die Menschen im Schöpfungsbericht auf. Für Christen bedeutet das zum Einen:

  • auszusteigen aus einer profitorientierten Kosten-Nutzen-Kalkulation,
  • sich an den Gaben der Erde zu erfreuen, die Natur zu achten und sich ihren Regeln zu fügen,
  • die Gaben und Güter der Erde miteinander – auch weltweit –- zu teilen und für Gerechtigkeit bei Produktion und Entlohnung einzutreten.

Zum anderen bedeutet es, dem Schöpfer der Welt zu danken:

  • für die Gaben, die er in der Schöpfung der Natur Mensch und Tier zudachte und
  • für die Freiheit , die er den Menschen gab mit dem Auftrag, diese Welt mit zu gestalten.

Im Idealfalle ist das Erntedankfest kein folkloristisches Fest ohne weitere Bedeutung für das Leben. Mit bewusstem Genuss der von Gott geschenkten Gaben, mit bewusstem Wahrnehmen der vielen dahinter steckenden Arbeit , mit bewusstem Einbeziehen weltweiter Geschwisterlichkeit kann es Mut machen für eine neue, lebenswertere und gerechtere Welt. Vielleicht sogar für eine Welt, in der für Terror, der erwächst aus Armut und Ungerechtigkeit, immer weniger Platz ist.

Quelle: Pfarrbriefservice

Rosenkranzmonat Oktober

Was gibt mir Halt?

Eine todkranke Frau hält etwas fest in der Hand, als ich zu ihr komme. Sie kann nicht mehr sprechen. Doch man spürt, was sie in der Hand hält, ist ihr sehr wertvoll. Die Angehörigen berichten, dass ihre Mutter ein Leben lang mit diesem Rosenkranz gebetet hat, den sie jetzt fest in der Hand hält. Die Worte fehlen, doch die Geste wird zum Gebet.

Das ist keine Magie. Der Rosenkranz ist kein Talisman. Er ist eine Gebetshilfe. Ich kenne viele Menschen, junge und alte, denen hilft er zu beten. Viele finden in diesem Gebet Halt – auch in schweren Zeiten. Wenn ich Beter sehe, die den Rosenkranz in Händen halten, dann frage ich: Was gibt mir Halt?

Wir sind Menschen mit Leib und Seele. Darum glaube ich, dass uns gute Gedanken und Worte allein nicht reichen – besonders wenn in meinem Leben vieles durcheinander geworfen wird. Dann tut es gut, wenn ich mich festhalten kann.

Vielleicht haben Sie bereits etwas, an dem Sie sich festhalten können. Im Rosenkranzmonat Oktober sehe ich in dieser Gebetsschnur die Frage: Was gibt Dir Halt? Woran hältst Du dich fest? Sich mit Maria an Jesus festhalten, an sein Leben, Leiden und Auferstehen, das ist das Rosenkranzgebet – schlicht, in immer gleichen Worten, damit ich sie mir einfach aneignen kann, damit sie ein Halt sind auch für den, dem die Worte fehlen.

Eugen Daigeler, Kaplan in der Pfarreiengemeinschaft Knetzgau, Bistum Würzburg in Pfarrbriefservice

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